liebe schweiz, du schöne

du ernährst und wärmst mich, gibst mir halt und prägst mein weltbild
du hast mich aufgezogen, mich gross und stark gemacht
ich lebe von deinem reichtum und deinem guten ruf
ich wäre ein nichts ohne dich, oder vielleicht ein deutscher
du fesselst mich mit deinen ansichten, erregst mich mit deinen reizen
du machst mich schwindlig mit deinen bergen, trunken mit deinen seen
ich bin geblendet von deiner unglaublichen schönheit
ich habe den blick fürs schöne, den massstab nur von dir
wenn ich ins ausland reise, egal wohin
weiss ich genau, dass es nirgends so schön ist wie hier
uns gehts besser als allen andern, nur wegen dir
uns beneiden alle andern um eine heimat wie dich
wie verloren bin ich ohne dich, ein nichts unter stolzen fremden
wie alleingelassen bin ich, seit ich deine grenzen überschritten habe
abgestürzt ins masslose, in die so unschweizerische unwichtigkeit
und nur äusserer zwang konnte mich so lange von dir fernhalten
fern von dir, liebe schweiz, du schöne
habe ich gelernt, allein zu leben, ohne deine führung
ich habe mich gelöst von dir, befreit
und mir sind die augen aufgegangen
ich sehe jetzt deine enge, deine beschränktheit
ich sehe jetzt deine vorschriften, deine tausend verbote
ich sehe deinen zwang, den du auf uns ausübst
und ich sehe das mit meinem herzen
du bist nicht alles, du bist nicht die freiheit
du bist nicht der nabel der welt und nicht der massstab
du verhinderst alles, was dir nicht passt, trübst unsern blick
du nimmst viel mehr, als du je geben kannst
du bist mein gefängnis, liebe schweiz, du schöne
dein reichtum die wärter
dein selbstverständnis die mauern
und deine engstirnigkeit die folter
Rosen
Ohne worte im
Schnee
Einer nacht
Als wir
Unter der decke
Stiller sterne
Lautlos
Ändern wollten unsre
Namen
Die vergessen waren am
Ende der langen Reise

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